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Wissensschatz mit Ablaufdatum

Was der Abschied von SAP Enable Now für Life-Sciences-Unternehmen bedeutet

Was der Abschied von SAP Enable Now für Life-Sciences-Unternehmen bedeutet

In SAP-Transformationen sind über Jahre umfangreiche Trainingsbibliotheken entstanden. Tausende von Lernmaterialien, sorgfältig aufgebaut, gepflegt und an regulatorische Anforderungen angepasst. Diese Wissensbasis hat die Einführung und Nutzung neuer Systeme und Prozesse unterstützt und ermöglicht. Doch längst hält auch im Trainingsumfeld die KI ihren Einzug, und die technologische Grundlage der großen Wissensbibliotheken läuft aus.

Seit 2025 ist der Lizenzbezug für SAP Enable Now nur noch eingeschränkt möglich, der Support endet im November 2030. Die Nachfolgelösung ist bereits verfügbar: WalkMe Learning Arc, eine auf generativer KI basierende Suite zur Erstellung, Auslieferung und Verwaltung von Trainingsmaterialien. Für Unternehmen in der Life-Sciences-, Pharma- und Chemiebranche stellt sich damit die Frage: Was passiert mit den aufwendig aufgebauten Trainingsbibliotheken, und wie wird die Nutzung neu eingeführter Lösungen und Anwendungen künftig ermöglicht?

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Porträt von Stefan Baltzer

Stefan Baltzer

Head of Training & Enablement

Von reiner Prozessführung zur Wissensvermittlung

Vergleichstabelle von SAP Enable Now und WalkMe Learning Arc zu Content-Erstellung, Lernfunktionen, Rollen, Datenhaltung und Migration.

Ein Vergleich von SAP Enable Now und WalkMe Learning Arc

Die Logik von SAP Enable Now war bislang oftmals prozessorientiert: Nutzern wurde Schritt für Schritt gezeigt, wie sie Vorgänge bearbeiten und durch Workflows kommen. Diese Trainingselemente ließen sich dabei als nachverfolgbare Einheiten in ein Learning Management System einbetten und ermöglichten so die regulatorisch konforme Dokumentation von Trainings. WalkMe erweitert diesen Ansatz um die Wissensebene. Es informiert während der Bearbeitung darüber, warum bestimmte Regeln gelten, welcher Kontext hinter einem Prozessschritt steckt, welche Compliance-Anforderungen relevant sind. Aus der Kombination von WalkMe als klassische Digital Adoption Platform mit dem neuen WalkMe Learning Arc als KI-gestützte Autorensuite entsteht so die Verbindung hin zu prozessbegleitender Unterstützung mit eingebetteten Lernformaten direkt im Arbeitsfluss.

In regulierten Umgebungen, in denen Datenintegrität, Freigabelogiken und GxP-Konformität operative Realität sind, ist das mehr als ein didaktisches Upgrade. Ein Anwender in regulierten Prozessen, der nicht nur z. B. durch ein Freigabeverfahren in SAP geführt wird, sondern im gleichen Moment versteht, welche Anforderungen dahinterstehen, trifft bessere Entscheidungen, macht weniger Fehler und ist in einem Audit auskunftsfähiger. Die Trennung zwischen digitaler Befähigung und methodischer Wissensvermittlung wird aufgehoben.

Der Rollenshift: vom Ersteller zum Redakteur

Wer heute Trainingsmaterialien in SAP Enable Now produziert, arbeitet als Autor im klassischen Sinne: Er baut Abläufe nach, nimmt Prozesse auf, strukturiert Inhalte, und gestaltet die Lernreise von Grund auf. Das ist zeitintensiv, setzt prozessnahes Fachverständnis voraus und erklärt, warum Unternehmen mit großen Bibliotheken dafür über Jahre Autoren-Teams aufgebaut oder externe Kapazitäten eingesetzt haben.

WalkMe Learning Arc verändert diesen Prozess grundlegend. Generative KI übernimmt die Erstellung von Inhaltsentwürfen: Auf Basis einer Beschreibung, eines Prozessablaufs oder einer bestehenden Vorlage generiert das System strukturierten Content in Minuten. Was sich damit ändert, ist nicht der Bedarf an menschlicher Kompetenz, sondern deren Schwerpunkt. Der Autor wird zum Redakteur: Er prüft, was die KI geliefert hat, bewertet inhaltliche Korrektheit, ergänzt fachliches Urteil und stellt sicher, dass publizierte Inhalte den internen und regulatorischen Anforderungen entsprechen.

Diese Kontrollinstanz ist keine optionale Sicherheitsebene. KI-generierte Inhalte können Ungenauigkeiten enthalten und kennen weder die internen Verfahrensanweisungen eines Unternehmens noch die aktuelle Systemkonfiguration. In einer GxP-Umgebung ist ungeprüfter Output nicht akzeptabel. Der Effizienzgewinn der neuen Plattform entfaltet sich also nur dort, wo gleichzeitig in neue Kompetenzprofile investiert wird: Autoren, die KI-Ergebnisse fachlich einordnen und redaktionell verantworten können.

Für Unternehmen in regulierten Branchen ist ein weiterer Aspekt relevant: WalkMe Learning Arc verarbeitet Daten ausschließlich innerhalb der EU, verzichtet auf die Nutzung von Kundendaten zum Training öffentlicher Modelle und setzt auf einen Human-in-the-Loop-Ansatz, bei dem KI-generierte Entwürfe vor der Publikation durch einen Autor freigegeben werden müssen. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Markt und für Unternehmen, die GxP-relevante Inhalte oder klinische Prozessdokumentation verwalten, eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz.

Anforderungen für den Übergang

Durch das Wartungsende für SAP Enable Now in 2030 müssen sich Unternehmen mit komplexen Lern- und Wissensumgebungen bald mit der Frage beschäftigen, wann und wie sie auf die KI-basierte Architektur von WalkMe wechseln. Die Frage nach dem Ob stellt sich kaum. Drei Aspekte sind zu berücksichtigen:

Erstens ist eine Vollmigration des bestehenden Contents nur eingeschränkt technisch möglich und in den meisten Fällen auch nicht strategisch sinnvoll. Gewachsene Trainingsbibliotheken enthalten erfahrungsgemäß einen beträchtlichen Anteil an Material, das nicht mehr genutzt wird, veralteten Prozessversionen entspricht oder für Rollen erstellt wurde, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Wer diese Inhalte überführt, bindet Ressourcen ohne Gegenwert. Eine Nutzungsanalyse der bestehenden Bibliothek ist daher Voraussetzung jeder Übergangsplanung.

Zweitens erfordert der Plattformwechsel infrastrukturelle Entscheidungen, die IT und Vertragsmanagement frühzeitig einbeziehen müssen, von der Nutzerverwaltung über Übersetzungsanforderungen bis hin zu den Werkzeugen, die das Autoren-Team im Übergangszeitraum weiter benötigt.

Drittens gilt für regulierte Inhalte eine eigene Anforderungsebene. GxP-relevante Trainingsmaterialien, Einweisungen zu sicherheitskritischen Prozessen oder Compliance-Dokumentation lassen sich nicht einfach umziehen. Sie müssen inhaltlich geprüft und gegebenenfalls neu validiert werden, unter Einbindung von Quality und Regulatory Affairs. Das ist kein IT-Aufwand, sondern organisatorischer Aufwand mit entsprechendem Vorlauf.

Was jetzt zu tun ist

Inventur vor Transition. Welche Inhalte existieren, welche werden genutzt, welche sind compliance-relevant? Eine Bestandsaufnahme unter Zuhilfenahme von Daten aus SAP Enable Now Analytics schafft die Entscheidungsgrundlage dafür, was überführt, was neu gebaut und was bewusst nicht mitgenommen wird.

Rollen und Kompetenzen frühzeitig justieren. Die neue Arbeitsweise, Inhalte per KI zu generieren und zu redigieren, anstatt sie manuell aufzubauen, erfordert neue Fähigkeiten im Autoren-Team. Durch frühzeitiges Upskilling kann das Team den Effizienzgewinn der neuen Plattform vom ersten Tag an ausschöpfen.

Parallelbetrieb als Übergangsstrategie nutzen. SAP Enable Now und WalkMe Learning Arc können über einen definierten Zeitraum parallel betrieben werden. Dieser Spielraum ermöglicht einen gestuften Übergang: Neue Inhalte entstehen auf der neuen Plattform, bestehende kritische Inhalte werden geordnet überführt, und das Team hat Zeit, sich mit dem neuen Arbeitsmodus vertraut zu machen.

Zeitstrahl (2026–2030) zur Migration von SAP Enable Now hin zu einer modernen, KI-gestützten Wissensplattform mit parallelem Betrieb.

Vom Jetzt zur Transformation: Planen Sie den Wechsel von SAP Enable Now zu WalkMe

Fazit

Am Übergang von SAP Enable Now zu WalkMe Learning Arc als integrierte Wissensdatenbank führt fast kein Weg vorbei. Er gehört auf die Strategie-Agenda von Life-Sciences-, Pharma- und Chemieunternehmen, denn Enablement ist in regulierten Umgebungen kein nachgelagerter Trainingsaufwand, sondern Teil der operativen und compliance-relevanten Infrastruktur. WalkMe Learning Arc bietet die Chance, diese auf ein moderneres Fundament zu stellen, mit deutlich geringerem Content-Erstellungsaufwand, engerer Verzahnung von Prozessunterstützung und Wissensvermittlung sowie einer Architektur, die mit wachsender Systemkomplexität skaliert.

Autoren

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Porträt von Stefan Baltzer

Stefan Baltzer

Head of Training & Enablement

Tanja-Weber-mia

Tanja Weber

Manager Training & Enablement

Nikolai-Schumow-mia

Nikolai Schumow

Senior Consultant SAP Transformation Management